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Tag 11: Highway to Hell

Heute steht wieder viel Fahrerei auf dem Plan. Wir wollen von Bayamo bis nach Baracoa fahren und das ist eine stattliche Strecke, leider aber nicht sehr spektakulär. Bis auf eine Handvoll Kilometer sollen wir nur auf den Hauptverkehresstraßen oder der Autobahn fahren, was zwar angenehm aber als Tagesprogramm total langweilig ist. Daher schlage ich eine Alternativroute vor, die bei Guantánamo nach Norden abzweigt und dann in Küstennähe in östlicher Richtung nach Baracoa führt. Melanie, die auf dieser Etappe hinter dem Steuer sitzt, ist zwar erst skeptisch, willigt dann aber ein. Die ersten Kilometer sind auch hier sehr ruhig, doch als Melanie gerade die guten Straßenverhältnisse lobt, endet die Straße und der Wahnsinn beginnt. Zunächst verwandelt sich der Asphalt in einen Schotterweg ähnlich dem vom Vortag, nur dass dieser hier nicht zum Arsch der Welt führt, sondern eine echte Verkehrsanbindung sein soll. Steigungen und Kurven mit mehr als nur einer Prise Schlaglöcher gestalten die "Fahrbahn" und machen das fahren zu einem Geschicklichkeits- und Konzentrationsspiel. Als wir nach einer Weile wieder Asphalt sehen ist der Jubel groß... doch er hält nicht lange an. Der Straßenbelag ist durch Abnutzung und Naturgewalten so zerstört, dass wir uns bald die Schotterpiste zurückwünschen. Durch Krater, Risse und Auffaltungen kämpfen wir uns zu zweit vor; Melanie fährt und ich lotse sie so durch das Schlachtfeld aus Teer und Geröll, dass wir uns weder die Achse brechen noch den Unterboden aufschlitzen. Immer wieder kommen Abschnitte mit scheinbar guter Fahrbahndecke, doch diese sind tückisch. Kaum hat man beschleunigt, kommen sie mit bösen Überraschungen an Orten, wo man sie nicht erwartet. Stücke, die noch aus 10m Entfernung so flach aussehen, wie Donald Trumps EEG, verbergen Schlaglöcher, die schnell das Aus bedeuten können. Als wir schon glauben, es könne gar nicht mehr schlimmer kommen, hat die Route noch einen Trumpf im Ärmel. Sie hält das Einzige für uns bereit, was die Straßenverhältnisse noch schlimmer machen kann, als sie schon sind: eine kubanische Baustelle! Kubaner sind zwar gut darin, Dinge notbehelfsmäßig zu reparieren oder zu ersetzen, aber das strukturierte Lösen von Problemen gehört nicht zu ihren Stärken. Statt also die Straße abschnittweise zu reparieren und immer eine Spur "befahrbar" zu lassen, wird einfach die ganze Fahrbahn am Stück aufgerissen und sieht dann aus wie ein Gemüsebeet nach dem Familienausflug der Hiesigen Wildschweinrotte. Fahrzeuge müssen sich einen Weg hindurchbahnen so gut es eben geht. Eine tiefe Erleichterung tritt ein, als wir die Baustelle passiert haben, obwohl die Straße weiterhin katastrophal ist.

Schier ewig zieht sich diese Zerreißprobe für die Nerven hin bis bei Sagua de Tánamo endlich wieder eine richtige Straße beginnt, auf der man 90km/h fahren und die Landschaft genießen kann. Zuvor wurden wir zwar auch immer mal wieder auf Passtraßen und Hängen mit traumhaften Panoramen für die Strapazen entschädigt, doch so ist es deutlich entspannter. Bald darauf erreichen wir Moa und wittern schon unser Ziel in der ferne, als uns plötzlich wieder Straßenschäden und Schotterpisten ihre Aufwartung machen. So abenteuerlich aufregend das alles noch zu Beginn war, so überdrüssig sind wir nun dieser Abomination eines schleteren Trampelpfades. Wir wollen nur noch ankommen.

Nach 7,5 Stunden Fahrt erreichen wir endlich Baracoa, suchen uns eine Bleibe, essen und buchen die Tour für den nächsten Tag. Ein Weilchen hocken wir noch am Ufer und schauen aufs Meer hinaus, dann kehren wir dem tag den Rücken und wenden uns unseren Betten zu. Morgen bleibt das Auto stehen!

18.10.16 16:55

Letzte Einträge: Tag 12: Kulinarische Erkundungen, Tag 13: Viva el Comandante, Tag 14: Gehen sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen, Tag 15: Transportprobleme, Tag 16: Abschied

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