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Tag 9: Pannen über Pannen

Der heutige Tag bildet nicht gerade das Highlight unserer Tour. Eigentlich dient er nur dazu, jede Menge Strecke zu überwinden und in zwei Städten kurz einen Bummel zu machen... eigentlich. Aufgrund der anstehenden, langen Fahrt brechen wir schon gegen 10 Uhr auf. Nach einer genaueren Routenberechnung am Vorabend haben wir bereits den Gedanken verabschiedet, bis nach Bayamo zu fahren, da wir uns diesen Stress nicht antun wollen. Stattdessen wollen wir nur bis Las Tunas fahren. Da dies mit leerem Benzintank allerdings schwierig ist, halten wir an der Tankstelle. Noch bevor ich allerdings überhaupt Benzin einfüllen kann, weist man mich darauf hin, dass wir hinten rechts Luft verlieren. Mist! Unser erstes Etappenziel ist vier stunden entfernt und ich will keinen Platten mitten im Nirgendwo riskieren. Nach dem Tanken führt uns einer der dort herumstehenden Herren zu der "Werkstatt", in der er arbeitet, und man sieht sich den Reifen an. Die Methoden haben Vorkriegscharakter aber funktionieren. Man weiß sich hier zu helfen. Schnell steht fest: der Reifen hat ein Loch... eigentlich sogar zwei, denn eines wird noch von dem darin steckenden Nagel abgedichtet. Ein Stück Glas wird auch noch aus dem Profil gepruckelt, die Löcher geflickt, das Ventil kaputt gemacht und ersetzt; alles in etwa einer halben Stunde. Eine Rechnung kann er zwar nicht ausstellen – schließlich ist er eine Privatperson, die als Hobby repariert... - das Ventil und den Nagel dürfen wir aber behalten.

Als unser Wagen wieder fahrtüchtig ist, fragen wir an der Tankstelle nach dem Weg, woraufhin ein etwa dreizehnjähriger Junge seine Hilfe gegen einen Platz im Auto anbietet. Er will zu seinen Großeltern in Sancti Spiritus in etwa einer Stunde Entfernung. Mit dem Junglotsen an Bord können wir also endlich losfahren. Der Junge ist nicht sehr gesprächig, sodass die Fahrt nicht nur ruhig sondern auch still ist. Auf der Autobahn, die eher eine schlechte Landstraße ist, perfektioniere ich die Kunst, Pferdekarren und Radfahrer zu überholen, ohne dabei auf der Gegenspur in ein Schlagloch zu fahren. In Sancti Spiritus setzen wir den Jungen ab und unsere Reise zügig fort, denn noch haben wir nicht viel geschafft.

Gegen kurz vor 15 Uhr sind wir in Camagüey, unserem ersten Halt, und stellen den Wagen in der Nähe des historischen Kerns ab. Beim Abschließen des Autos bemerke ich, dass Wasser ausläuft... viel Wasser. Da wir spontan nichts daran ändern können und enormen Hunger haben, organisieren wir uns erstmal ein Mittagessen und sehen im Anschluss wieder nach dem Wagen. Das Fließen ist zu einem Tropfen geworden, aber vorsichtshalber entscheiden wir, sensibilisiert durch den Vorfall am Morgen, die Autovermietung anzurufen. Das ist jedoch nicht so einfach, da die Nummer auf dem Zettel eine Handynummer ist und nicht von den Münzfernsprechern aus angerufen werden kann. Nach einigen Minuten der Suche nach Hilfe hat Melanie die Idee, im hiesigen Hotel nachzufragen; Touristen mit Problemen müssten die ja gewohnt sein. Tatsächlich findet sich auch eine sehr nette Angestellte, die sich unserer Sache annimmt und mit uns in ihr Büro geht. Was folgt, ist eine anderthalbstündige Telefonodyssee, denn weder auf der angegebenen Nummer noch bei der Hilfe-Hotline ist jemand zu erreichen. Die Dame telefoniert, bis die Leitungen glühen, ruft Bekannte und vermittlungen an, um weitere Nummern von potentiell Zuständigen zu erreichen. Bestimmt zehn Nummern der Vermietung alleine ruft sie durch, bis endlich jemand das Gespräch entgegennimmt. Ihre Landsleute kennend, schmückt sie die Situation noch mit ein paar Notlügen bezüglich der Dringlichkeit aus und erwirkt tatsächlich, dass jemand vorbeikommt und sich den Wagen ansieht. Wir danken ihr überschwänglich für ihren Einsatz und gehen zurück zum Auto, wo wir auf den Mechaniker warten. Zu dem Zeitpunkt sind wir schon ziemlich genervt und hoffen nur, dass uns die Sache nicht unsere ganze Urlaubsplanung zunichte macht. Der Mechaniker trifft mit vornehmer Verspätung ein, begutachtet die Sache und kommt zu einem erleichternden Ergebnis: es handelt sich nur um Kondenswasser. Die Klimaanlage war schon auf der Herfahrt mit der Hitze überfordert und hatte fast einen Liter Wasser aus der Luft gezogen, der sich nach dem Ausschalten in Sturzbächen aus dem Motorraum ergoss. Ärgerlich, dass dafür so viel Zeit draufgegangen ist, aber wenigstens können wir nun beruhigt weiterfahren.

Nachdem der Mechaniker sich für die zehn Minuten Arbeit zwei Arbeitsstunden aufgeschrieben hat, zeigt er uns noch den Weg zur Autobahn und schon geht es weiter. Las Tunas ist laut Schild nur 120km entfernt und bis zum Sonnenuntergang sind es noch zwei Stunden... machbar. Wir fliegen förmlich über den rissigen und lückenhaften Asphalt, um unser Wettrennen mit der Sonne zu gewinnen, doch wir haben die Rechnung ohne den neusten Schilderwahnsinn gemacht. Die Kilometerangaben auf den Schildern sind, wie wir lernen, mit Vorsicht zu genießen. Nicht, dass sie so ungenau wären, man muss aber wissen, worauf genau sie sich beziehen. "Las Tunas 120" bedeutet nämlich nicht, dass man nach 120km auch nur in der Nähe der Stadt ist. Im falle von Las Tunas erfolgt die Beschilderung in drei Etappen: zunächst ist der Landkreis "Las Tunas" gemeint, dann ist das Stadtgebiet inklusive der Vororte ausgeschildert und erst dann kommt eine Angabe zur Kernstadt. Für uns bedeutet dies, dass wir, nachdem wir von großen Schildern in Las Tunas willkommengeheißen wurden, noch 35km fahren müssen. Trotz allem erreichen wir die Stadt nach vor der Dunkelheit und finden auf Anhieb eine Unterkunft, sodass der stressige Tag doch noch ein gutes Ende nimmt.

18.10.16 16:54

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