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Tag 8: Topes de Collantes

Der heutige Morgen führt uns zunächst ins Zentrum von Trinidad, da wir es einerseits gestern nicht mehr besichtigen konnten, andererseits noch ein paar Besorgungen zu machen sind, nämlich Brot und neue Internetkarten. Bei der Bäckerei, zu der wir uns wie üblich durchfragen mussten, gibt es jedoch kein Brot... jedenfalls zur Zeit nicht; später gebe es wieder welches. Ich kann es nicht leiden, wenn der Kommunismus mit meinem Hunger kollidiert...

Wir stellen das Nahrungsproblem hinten an (das scheint hier ja auch in der Politik üblich zu sein) und suchen die Plaza Central auf, um bei der dortigen Filiale des internetanbieters neue Karten zu erstehen. Dort vor der Tür existiert bereits die kubanische Version einer Warteschlange: ein Menschenauflauf ohne erkennbare Struktur. Geduldig stelle ich mich an bzw. dazu, während Melanie sich ein schattiges Plätzchen sucht. Nach ein paar Minuten schließe ich aus Gesprächen, dass die Leute hier entgegen meiner Einschätzung durchaus eine Vorstellung davon haben, wie die Reihenfolge ist, diese wird lediglich ignoriert. Ständig kommen Leute dazu, dränglen sich durch, reden mit dem Türsteher und werden eingelassen. Mehrfach ändere ich meine Position ohne erkennbare Verbesserung der Lage, allerdings hat sich mir nun erschlossen, dass es verschiedene Sachbearbeiter für verschiedene Anliegen gibt, was zumindest einen Teil des Mysteriums klärt. Mittlerweile ist über eine Stunde vergangen. Als ich mich lautstark über eine Frau beschwere, die mit demselben Anliegen wie meinem sich vorzudrängeln versucht, wird mir vom Kollektiv der Wartenden ein Platz in der "Reihe" zugewiesen und auf Anraten einer Dame weise ich auch den Türsteher auf den Grund meiner Anwesenheit hin. Nachdem sich trotzdem noch ein Herr vorgedrängelt hat, stehe ich nach über anderthalb Stunden in der Filiale neben der Tür und warte, dass ein Platz am Service-Tresen frei wird. Aus meinem Gespräch mit dem Sicherheitsmann geht hervor, dass der Wartehaufen eingentlich zwei Schlangen sein sollte – eine für Internet-Dienste und eine für Mobilfunk -, die Leute das aber nicht gebacken kriegen und er sich nicht dagegen durchsetzen kann. Ein erneuter Blick zum Tresen zeigt mir, dass sich dort schon seit Minuten nichts tut. Als die Angestellte zu mir blickt, gehe ich zum Tresen und schildere, was ich möchte. Ihre Antwort könnte durchaus Anlass für ein Blutbad sein: es gibt keine Internetkarten... jedenfalls zur Zeit nicht. Das System ist abgestürzt und sie müssen erst in Havana anrufen, damit die das per Fernwartung lösen. Der vermutlich einzige Grund, warum ich nicht zur morgigen Schlagzeile werde, ist der Herr neben mir, der mich auf die "Casa de la música" verweist, welche auch Karten verkauft. Genervt verlasse ich die Filiale, sammle Melanie ein und gemeinsam laufen wir die sechs Blocks, um dort zu erfahren, dass es dort keine Internetkarten gibt... jedenfalls zur Zeit nicht, denn sie sind ausverkauft. Bin ich denn hier im Irrenhaus?! Zum Glück nennt man uns einen letzten Ort, wo man Karten erstehen kann: ein Hotel an der Plaza Central... Noch ein stück genervter als vorher gehen wir denselben Weg wieder zurück und findfen uns im Hotel ein, wo es zu meiner Verblüffung tatsächlich noch Karten gibt; zwar nur, wenn man an der Bar auch etwas trinkt, aber ein kaltes Getränk kann ich jetzt ohnehin gut gebrauchen, um mein Gemüt etwas abzukühlen.

Als wir schließlich die Karten in den Händen halten und diese absurde Schnitzeljagd vorbei ist, kann ich auch endlich die schönen Seiten der Stadt genießen. Viele hübsche Kolonialgebäude, zum Teil baufällig, säumen die Straßen, die großflächig noch mit Kopfsteinpflaster gemacht sind. Zudem ist das Kutschenaufkommen hier enorm, sowohl zum Personen- als auch zum Warentransport. Auf dem Weg zurück zur Unterkunft finden wir auch noch eine Bäckerei, die tatsächlich Brot verkauft, sodass wir endlich unser eigentliches Ziel ansteuern können: die "Topes de Collantes". In diesem Abschnitt des Naturparks gibt es einige Wanderwege, die uns reizen. Die Fahrt weckt Erinnerungen an "El Nicho"; mit Zwischenstopp an einem Aussichtspunkt kämpfen wir uns erneut durch Steigungen und Serpentinen bis wir das Infocenter erreichen und uns die Routen etwas genauer ansehen können. Wir entscheiden uns für "El Caburní", eine Strecke, die mit 1,5h veranschlagt ist und einen Wasserfall sowie einen natürlichen Pool beinhaltet. Mit dem Auto fahren wir weiter in Richtung des Einstiegs, kommen an einem kleinen Parkplatz vorbei und entscheiden kurz darauf, das Auto lieber dort abzustellen als der "Straße" weiter zu folgen. Diese führt nämlich derartig steil ins Tal hinab, dass keine der beiden Fahrtrichtungen mit unserem Auto erstrebenswert wäre.

Am Einstieg gibt es dann gleich die nächste Überraschung: man will 10$ dafür haben, dass wir hier wandern! Wir zahlen widerwilig, zumal uns eine deutsche Familie vor Ort zusichert, dass es sich selbst für diesen Preis lohnt. Der folgende Marsch führt schier endlos weit ins Tal hinab und macht uns klar, dass dies nicht nur der Eintrittsgelder wegen unsere einzige Route am heutigen Tag bleiben wird. Deutlich unter der angegebenen Zeit und ziemlich ausgelaugt passieren wir den Pool und erreichen den Wasserfall, der rund 50m oberhalb des Wegendes in ein kleines Becken stürzt und einen Steilhang zu uns herabplätschert. Es wurde extra ein Schild aufgestellt, dass man nicht zum Wasserfall hochklettern darf, aber wir sind hier ja im Land der revolution, wie es überall auf Plakaten und Wänden propagiert wird... und außerdem sind dort oben bereits einige Leute. Melanie besitzt genug Selbsteinschätzung, ihre Tollpatschigkeit nicht durch den Aufstieg herauszufordern, und wartet unten, während ich die Felsen entlang des Baches hochhopse. Auf meinem Weg kommen mir die Touristen von oben entgegen, sodass ich wenige Augenblicke später ganz allein dort oben bin und die Aussicht auf den Waserfall, die Schlucht und mein privates Planschbecken mit Sprungtiefe genießen kann. Ein fantastisches Gefühl! Als ich mich abgekühlt und ausgetobt habe, kehre ich zu Melanie zurück und wir brechen zum Pool auf, wo wir noch ein wenig im blaugrünen Nass baden und uns von einem kleineren Wasserfall die Schultern massieren lassen. Irgendwann ist es, zu unserem Bedauern, Zeit für den Rückweg. Dieser erweist sich zwar als weniger schlimm, als wir angenommen haben, dennoch sind wir völlig am Ende, als wir das Auto erreichen. Festhalten lässt sich jedoch: die 10$ war es wert!

18.10.16 16:50

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