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Tag 12: Kulinarische Erkundungen

Früh beginnt auch der heutige tag wieder, denn unsere Tour zum Alexander von Humboldt Nationalpark startet um 8:45 Uhr. Dafür gönnen wir uns allerdings einen besonderen Luxus: wir lassen uns von der Vermieterin Führstück servieren. Allein bei dem Anblick der Speisen kommt schon ein Lächeln auf unsere Gesichter. So viele Dinge, auf die wir zum Teil seit unserer Einreise verzichten mussten: Milch, Butte, Aufschnitt, dazu Tortillas, Früchte, Brot, Kaffee und frischer Saft. Ein Festmahl! Gestärkt gehen wir zum Büro der Agentur und warten, bis unsere Reisegruppe komplett ist. Sie hat die typische Zusammensetzung: Deutsche, Deutsche, noch mehr Deutsche, zur Abwechslung ein paar Österreicher und als Exoten zwei Italiener.

Gemeinsam mit dem Guide brechen wir in zwei Autos zum Park auf, wobei Melanie und ich Plätze im Van mit Allradantrieb ergattern; auf das Oldtimertaxi hatten wir wenig Lust... Mit einem geeigneten Wagen ist die route nur noch halb so schlimm, besonders wenn man nicht selbst fahren muss.

Am Einstieg in den Wanderweg wird uns das Rahmenprogramm erklärt. Als ich höre, dass für 7km drei Stunden angesetzt sind, ist mir schon klar, welche Art von Wanderung das wird: ein Spziergang im Touristentempo. Die Strecke erweist sich jedoch als schön und abschnittweise sogar als anstrengend. Unser Guide erzählt viel über die hiesige Flora und Fauna, teils sogar humoristisch, und gibt sich viel Mühe mit seinem Englisch. Zunächst führt er uns über breitere Wege unter freiem Himmel, bald aber in den Wald hinein, wo wir auch steile Hänge auf- und absteigen müssen. Besondere Highlights sind der Aussichtspunkt und der kleine Wasserfall, bei dem wir eine Badepause einlegen. Auf dem Weg zum Besucherzentrum sehen wir sogar einen nistenden Kolibri.

Dort angekommen sammeln uns die Autos wieder auf und bringen uns zum Maguana Beach, wo wir noch ein wenig den Strand, das Meer und lokale Spezialitäten wie das Cucurucho genießen, das aus Kokos, honig und einigen anderen Zutaten hergestellt wird.

Zurück am Reisebüro trennen sich unsere Wege wieder und wir kehren zur Casa zurück, um die Spuren der Wanderung und die Erschöpfung von uns abzuwaschen. Danach geht der kulinarische Ausflug noch ein wenig weiter. An der Strandpromenade finden wir ein restaurant, wo wir nicht nur einen vegetarischen Abschnitt in der Speisekarte sondern auch eine Familie unserer Reisegruppe antreffen. Für einen recht bescheidenen Preis bekomme ich Hummer in Kokosmilch und probiere auch Chorote, ein Schokoladengetränk, für das Baracoa bekannt ist. Lange nach Einbruch der Dunkelheit wandern wir schließlich zur Casa zurück.

18.10.16 16:57, kommentieren

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Tag 11: Highway to Hell

Heute steht wieder viel Fahrerei auf dem Plan. Wir wollen von Bayamo bis nach Baracoa fahren und das ist eine stattliche Strecke, leider aber nicht sehr spektakulär. Bis auf eine Handvoll Kilometer sollen wir nur auf den Hauptverkehresstraßen oder der Autobahn fahren, was zwar angenehm aber als Tagesprogramm total langweilig ist. Daher schlage ich eine Alternativroute vor, die bei Guantánamo nach Norden abzweigt und dann in Küstennähe in östlicher Richtung nach Baracoa führt. Melanie, die auf dieser Etappe hinter dem Steuer sitzt, ist zwar erst skeptisch, willigt dann aber ein. Die ersten Kilometer sind auch hier sehr ruhig, doch als Melanie gerade die guten Straßenverhältnisse lobt, endet die Straße und der Wahnsinn beginnt. Zunächst verwandelt sich der Asphalt in einen Schotterweg ähnlich dem vom Vortag, nur dass dieser hier nicht zum Arsch der Welt führt, sondern eine echte Verkehrsanbindung sein soll. Steigungen und Kurven mit mehr als nur einer Prise Schlaglöcher gestalten die "Fahrbahn" und machen das fahren zu einem Geschicklichkeits- und Konzentrationsspiel. Als wir nach einer Weile wieder Asphalt sehen ist der Jubel groß... doch er hält nicht lange an. Der Straßenbelag ist durch Abnutzung und Naturgewalten so zerstört, dass wir uns bald die Schotterpiste zurückwünschen. Durch Krater, Risse und Auffaltungen kämpfen wir uns zu zweit vor; Melanie fährt und ich lotse sie so durch das Schlachtfeld aus Teer und Geröll, dass wir uns weder die Achse brechen noch den Unterboden aufschlitzen. Immer wieder kommen Abschnitte mit scheinbar guter Fahrbahndecke, doch diese sind tückisch. Kaum hat man beschleunigt, kommen sie mit bösen Überraschungen an Orten, wo man sie nicht erwartet. Stücke, die noch aus 10m Entfernung so flach aussehen, wie Donald Trumps EEG, verbergen Schlaglöcher, die schnell das Aus bedeuten können. Als wir schon glauben, es könne gar nicht mehr schlimmer kommen, hat die Route noch einen Trumpf im Ärmel. Sie hält das Einzige für uns bereit, was die Straßenverhältnisse noch schlimmer machen kann, als sie schon sind: eine kubanische Baustelle! Kubaner sind zwar gut darin, Dinge notbehelfsmäßig zu reparieren oder zu ersetzen, aber das strukturierte Lösen von Problemen gehört nicht zu ihren Stärken. Statt also die Straße abschnittweise zu reparieren und immer eine Spur "befahrbar" zu lassen, wird einfach die ganze Fahrbahn am Stück aufgerissen und sieht dann aus wie ein Gemüsebeet nach dem Familienausflug der Hiesigen Wildschweinrotte. Fahrzeuge müssen sich einen Weg hindurchbahnen so gut es eben geht. Eine tiefe Erleichterung tritt ein, als wir die Baustelle passiert haben, obwohl die Straße weiterhin katastrophal ist.

Schier ewig zieht sich diese Zerreißprobe für die Nerven hin bis bei Sagua de Tánamo endlich wieder eine richtige Straße beginnt, auf der man 90km/h fahren und die Landschaft genießen kann. Zuvor wurden wir zwar auch immer mal wieder auf Passtraßen und Hängen mit traumhaften Panoramen für die Strapazen entschädigt, doch so ist es deutlich entspannter. Bald darauf erreichen wir Moa und wittern schon unser Ziel in der ferne, als uns plötzlich wieder Straßenschäden und Schotterpisten ihre Aufwartung machen. So abenteuerlich aufregend das alles noch zu Beginn war, so überdrüssig sind wir nun dieser Abomination eines schleteren Trampelpfades. Wir wollen nur noch ankommen.

Nach 7,5 Stunden Fahrt erreichen wir endlich Baracoa, suchen uns eine Bleibe, essen und buchen die Tour für den nächsten Tag. Ein Weilchen hocken wir noch am Ufer und schauen aufs Meer hinaus, dann kehren wir dem tag den Rücken und wenden uns unseren Betten zu. Morgen bleibt das Auto stehen!

18.10.16 16:55, kommentieren